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Manuelinische Gothik

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Azulejos, die berühmten Kacheln aus Portugal.


Die Manuelinik ist eine Sonderform der Spätgotik angesehen werden, die um spanische, italienische, flämische Stilelemente sowie um maritime Ornamente (Schiffstaue) erweitert wurde.

Inspiriert durch die Reisen der Seefahrer Vasco da Gama und Pedro Álvares Cabral, deren Entdeckungen und Eroberungen Portugal seinerzeit einen besonderen Reichtum bescherten.

Anker, Knoten und die Algen aus Stein sind das, was vom Traum übrigblieb...

Es ist logisch, daß in der Geschichte dieser Seefahrer-Nation das Meer mit der Kunst verbunden ist.

Setzte Camões den Rittern zur See in Versen ein Denkmal, so sind Bauwerke wie A Batalha, das Hyeronimus-Kloster und der Festungsturm in Belém, das Christus-Kloster von Tomar steingewordene Träume, die die Eroberung der Meere preisen.

W ildwuchernde Seilknoten, Bänder, Muscheln, schwere steinerne Ketten, Segel, gitterartiges Astwerk - in Stein zusammengefügt; filigrane Korallen umranden Fenster, auf Arkadenbögen wachsen Seesterne und Krabben, Kraken schlingen sich um Ecken und über Fassaden. Diese bizarre Variante der Spätgothik hat einen Namen: Manuelinischer Stil, benannt nach Portugals König Dom Manuel I.

Der Manuelinische Stil verkörpert eine prunkvoller Architektur, die nur im Portugal des frühen 16. Jh. gebaut wurde.

Manuel der Erste (1495 - 1521), den die Portugiesen "den Glücklichen" (O Venturoso) nannten, weil sie ihm das "Goldene Zeitalter" verdanken, die prächtigste Zeit in ihrer Geschichte — und den Baustil.

Das berühmte Fenster des Christus- Kloster in Tomar: Juwel der manuelinischen Gothik.

Während seiner Regierung waren portugiesische Karavellen (Dreimaster) auf allen Weltmeeren unterwegs: Vasco da Gama landete in Indien, Pedro Alvares Cabral erreichte Brasilien und die Portugiesen drangen bis China vor. Portugal teilte die Welt zwischen sich und Spanien auf, Lissabon war - kurzfristig - die mächtigste Hauptstadt des Westens.

Das sog. "Goldene Zeitalter" währte nur kurz, doch Portugal behielt davon Dinge, die man behalten kann: nicht den Reichtum, sondern Papier und Stein.
"Anker, Knoten und die Algen aus Stein sind das, was vom Traum übrigblieb," schreibt der portugiesische Essayist und Journalist Miguel Esteves Cardoso. "Die Manuelinik war der maßlose, verrückte Versuch, das Wasser - und die Herrschaft über das Wasser - in Stein zu verwandeln. Dieser Stil ist keine Kunst, sondern eine Projektion."

Die Baumeister der Zeit erzählten den Menschen verwirrende Geschichten aus unendlich fernen Teilen der Erde, und die Bildhauer schmückten sie mit filigranen, spinnwebfeinen steinernen Versen aus - Botschaften und Märchen aus Indien, China, Angola, aus der Neuen Welt, aus Dschungeln und Steppen, von Kämpfen und Siegen jenseits der Meere.

In Stein gehauene Traumbilder einer Welt, deren Größe in keinem Verhältnis zu diesem kleinen Land steht, das in diese Welt verliebt ist.

Sereias

"Portugal als mächtiger Kolonisator war in das verliebt, was es kolonisieren wollte," erklärt Miguel Esteves Cardoso, und er hält den Manuelinischen Stil mit seinem ehrgeizigen Ansinnen, die Welt zu umfangen, sie zusammenzufügen. Den Westen mit dem Osten, den Norden mit dem Süden — eine totalitäre Kunst in einer Zeit, in der fast alle anderen Laendern im Renaissance-Stil bauten.

Die von Vasco da Gama und Pedro Alvares Cabral eigeleiteten Entdeckungsreisen brachten große Reichtümer nach Portugal — in Form der begehrten orientalen Spezereien. Manuel I riss an der Krone (an sich) das Monopol ueber den Handel mit Pfeffer, Kardamom, Paprika, Gewuerznelke und Muskat. Und gab das eingehandelte Gold für zahlreiche Prunkbauten aus.

Viele internationale Künstler eilten nach Portugal, um hier zu arbeiten. So zum Beispiel Jerónimo de Ruão (Sohn des Jean de Rouen, 1530- 1601), der das Hieronymus-Kloster zu Ende baute.

Der pompöse, uberreichlich dekorierte Manuelismus entspricht dem autoritaeren Herrschaftsduktus von Manuel I. (1495-1521). Uebrigens kam der Name erst im 19. Jahrhundert auf, um den portugiesischen Gotikstil zu bezeichnen.

Die Torre de Belém und das Hieronymus-Kloster sind Schaustücke, die während dieser Epoche errichtetet wurden. Bei vielen Bauwerken kann man Armillarkugel und Christuskreuz entdecken. Sie sind die persönlichen Zeichen des Königs und der Widerschein der Macht, die er erlangen konnte.

Andere irdische und religiöse Symbole verzieren überschwänglich die gotische Architektur Portugals.

 
 
 
 
 

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